Zecken - Borreliose und FSME

Die in der Schweiz vorherrschende Zeckenart Ixodes ricinus (Holzbock, Schildzecke) kommt in Höhen bis ca. 1'300 m.ü.M. in lichten Gehölzen und an Waldrändern vor. Eine Zecke durchläuft drei Stadien, in welchen je eine Blutmahlzeit aufgenommen wird. Dabei werden zunehmend grössere Säugetiere und auch Vögel befallen. Der Mensch wird hauptsächlich von Adulten und Nymphen gestochen. Dabei kommt letzteren spezielle Bedeutung zu, da sie infolge geringer Grösse leicht übersehen werden und zudem nur kurz (1 – 2 Tage) in Kontakt mit dem Wirt bleiben.

 

Zeckenarten

Die Zecken gehören innerhalb der Spinnentiere zu den Milben (Acari). Weltweit sind über 800 Zeckenarten bekannt. Bei uns ist vor allem die Familie der Schildzecken verbreitet. Diese Tiere haben einen Schild (Scutum), der beim Männchen den ganzen Körper bedeckt.  Beim Weibchen ist nur der vordere Teil des Körpers vom Schild bedeckt, damit es genug Blut aufnehmen kann. Das ist wichtig für die Produktion von bis zu 3’000 Eiern.

 

Unter den Schildzecken spielt Ixodes ricinus, der gemeine Holzbock, bei uns die wichtigste Rolle. Er überträgt sowohl die viralen Krankheitserreger für FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) als auch die bakteriellen Krankheitserreger der Lyme-Borreliose.

 

 

Entwicklung

Die Zecke muss im Laufe ihrer Entwicklung drei Blutmahl-zeiten aufnehmen, jeweils als Larve, Nymphe und Adulte. Nach der Blutmahlzeit ver-lassen Larve und Nymphe ihren Wirt und erreichen durch Entwicklung und Häutung das nächste Stadium.

 

Die weiblichen Zecken saugen im Erwachsenenstadium erneut Blut. Sie brauchen das Blut zur Eibildung. Eine vollgesogene weibliche Zecke wiegt schliesslich fast 200mal so viel wie eine blutleere.

 

Um so viel Blut aufzunehmen, braucht sie allerdings auch eine ganze Weile. Bis zu 10 Tage kann eine weibliche Zecke saugen, ehe sie freiwillig von ihrem Opfer ablässt. Die männliche Zecke kann auch ohne weiteres Blutmahl die Eier des Weibchens befruchten. Nach der Eiablage stirbt das Weibchen, nach der Befruchtung der Eier das Männchen.

Larven
(6 Beine)
Nymphe
(8 Beine)
Adult (m. oder w.)
(8 Beine)
vollgesogener Adult
(8 Beine)
Larven                                          Nymphe                                        Adulte Zecke (m. oder w.)                                     weibl. Adult (vollgesogen)                                       
0,5 mm × 0,4 mm      1,2 mm × 0,85 mm      3,8 mm × 2,6 mm 13,2 mm × 10,2 mm

 

 

 

Zecken fallen nicht von Bäumen. Sie sitzen in Sträuchern und hohen Gräsern.



 

Lebensraum

Zecken leben vor allem an Waldrändern, in Waldlichtungen und an waldigen Ufersäumen. Hier kommen ihre natürlichen Wirte wie Mäuse, Igel, Vögel besonders häufig vor.


Zecken brauchen ein Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und relativ warmen Temperaturen. Deshalb sind sie im Winter nicht aktiv. Die Zeckensaison dauert im Schnitt von März bis Oktober. Abweichungen können sich aus der aktuellen Wetterlage ergeben.

 

Zecken lassen sich nicht, wie früher viele glaubten, von Bäumen fallen, Zecken erklettern die Vegetation, wobei Larven bis zu 25 Zentimeter, Nymphen bis zu 50 Zentimeter und erwachsene Zecken bis zu 1.5 Meter Höhe erreichen. Dort klammern sie sich mit ihren hinteren Beinpaaren fest und warten auf einen vorbeikommenden Wirt (Katzen, Hunde, Mensch).


Um einen geeigneten Wirt zu erkennen, haben Zecken im vordersten Beinpaar ein Sinnesorgan, das Haller´sche Organ, das auf thermische und chemische Reize (Kohlendioxid, Milchsäure) des Wirtes reagiert. Von Warte- auf Lauerstellung wechselnd, hängt sie sich dann an alles, was das Blatt oder den Grashalm auf dem sie sitzt, streift.


Wird die Zecke abgestreift, sucht sie sich auf dem Wirt eine geeignete Stelle um zuzustechen. Sie bevorzugt Körperstellen mit dünner Haut, die besonders warm sind. Beim Menschen sind das speziell die Körperbereiche zwischen den Beinen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken und am Haaransatz.

 

Kalte Winter lassen die Tiere in eine Art Winterstarre fallen und überleben so. Beim Tauwetter erwachsen sie wieder und zwischen sieben bis zehn Grad werden sie so richtig aktiv. Nach langen, kalten Wintern muss deshalb im Frühjahr und im Sommer mit einer richtigen Zeckeninvasion gerechnet werden. Diese Zeckenart bevorzugt feuchtwarme Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über 8 Grad Celsius. Entsprechend ideale Bedingungen ergeben sich für die Zecken bei uns im Frühling, Herbst und in den warmen, aber nicht heissen Sommermonaten.

 

 

Schutzmassnahmen

Das Risiko eines Zeckenstichs lässt sich bereits durch wenige Verhaltensregeln minimieren:

  • Kleidung: Die Haut gut bedecken (lange Hosen, Langarm-Hemden, keine Sandalen). Socken über die Hose stülpen.
  • Zeckenschutzmittel auf Haut und Kleidung auftragen.
  • Unterwegs: Sträucher, Gebüsch und hohes Gras meiden.
  • Absuchen: Nach dem Spaziergang Kleider und Körper absuchen; bei Kindern auch auf die Kopfhaut beim Haaransatz achten. Vorsicht: Junge Zecken sind nur gerade einen halben Millimeter gross.
  • Gestochen? Zecke sofort entfernen.
  • Hunde und Katzen mit entsprechendem Mittel oder Halsband schützen. Sie können an Borreliose erkranken oder Zecken mit ins Haus bringen - die dann möglicherweise auf einen Menschen wechseln.
  • Die FSME-Impfung wird allen Erwachsenen und Kindern (ab 6 Jahren) empfohlen, die sich in einem Endemiegebiet aufhalten. Bei diesen Personen trägt die obligatorische Grundversicherung der Krankenkasse die Kosten. Beste Impfzeit ist der Winter, um im Frühling schon geschützt zu sein.

 

Entwicklungszyklus Zecken
Der Mensch wird meistens von einer Nymphe oder einer adulten (ausgewachsenen) Zecke infisziert

 

Zecken aufspüren und entfernen

Zecken stechen am liebsten auf warmen, feuchten und dünnen Hautpartien zu wie Achselhöhlen, Schultern, Nacken, Haaransatz, Bauchnabel, Kniekehle und Armbeuge. Bei Kindern stechen die Zecken oft auch in die Kopfhaut. Mit rund sechs Millimetern sind Zecken sehr klein. Achten Sie besonders auf die hellbraunen, noch nicht ausgewachsenen Tiere.

 

Haben Sie eine Zecke entdeckt, ziehen Sie sie mit einer Pinzette aus der Haut: Die Zecke direkt über der Haut mit einer Pinzette fassen und langsam - senkrecht zur Haut - herausziehen. Nicht drehen! Einmal zugepackt, sollte der Griff nicht mehr gelöst werden. Nie mit Öl, Leim oder Ausbrennen behandeln, nicht quetschen. Stichstelle desinfizieren.

Wenn der Kopf der Zecke in der Haut steckenbleibt, ist das nicht tragisch. Erreger können so nicht mehr übertragen werden. Meist wird das, was vom Parasiten übriggeblieben ist, vom Körper selbst herausgearbeitet.

 

Wichtig ist, die Zecke nicht wegzuwerfen, sondern aufzubewahren, falls eine Wanderröte eintritt, kann man das Tier in ein Labor sendet, um es auf Borrelien untersuchen zu lassen und so bzgl. Therapie auch sicherer wird gegen welche Art man ankämpfen muss.

 

Wenn innerhalb von drei Wochen nach dem Stich folgende Beschwerden auftauchen, sollten Sie den Arzt aufsuchen:

  • Rötung am Einstichort,
  • grippeartige Beschwerden,
  • Schwindel,
  • Gelenk- und Kopfschmerzen,
  • Übelkeit.

 


Krankheitsfolgen

Da die Beschwerden auch erst nach Monaten oder Jahren auftreten können, sollten Sie das Datum des Stichs notieren und die Zecke in einem Döschen aufbewahren. Das erleichtert dem Arzt später die Diagnose:

Borreliose

FSME

Krankheit Lyme-Borreliose Frühsommer-Meningo-Enzephalitis FSME

Überträger

Ixodes ricinus (Holzbock)

Ixodes ricinus

Erreger/Verursacher

Bakterien:

Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia garinii, Borrelis afzelii

Viren:

Flavi-Viren

FSME-Virus

Verbreitung in der Schweiz

überall

in der ganzen Schweiz

auf Endemiegebiete beschränkt

Häufigkeit erregerbefallener Zecken

bis zu 50 %

1 - 3 %

Statistische Wahrscheinlichkeit infektiöser Stiche

max. 10 %

max. 1 %

Zeit der Übertragung nach Stich

6 - 48 Stunden

(die Bakterien leben im Darm der Zecke)

sofort

(das Virus sitzt in den Speicheldrüsen der Zecken)

Inkubationszeit

1 bis mehrere Wochen

3 - 7 Tage

Erkennungszeichen der Infektion

keine bei über 50 %

Wanderröte bei 25-60 %

Grippeähnliche Beschwerden

(Kopf-, Muskel-, Gelenkschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit)

keine bei ca. 70 %

Sommergrippe bei 10-30 %

(z.B. Glieder-, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber bis 39 Grad)

Mögliches Krankheitsbild

Wanderröte, Gelenkentzündung, neurologische Veränderungen, Lähmungen, Herzentzündung

grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen, Fieber, Hirnhautentzündung, Gehirnentzündung, Lähmungen. Todesfälle: etwa 1 Prozent

Diagnose

Krankheitsbild und

-geschichte, neurologische Untersuchung, später auch Laboruntersuchungen

(z.B. Antikörper)

Krankheitsbild und

-geschichte, neurologische Untersuchung, später Laborwerte (z.B. Antikörper und andere spezielle Eiweisse)

Verlauf der Infektion

nach mehreren Wochen bis Monaten Ausbreitung im ganzen Körper (grippeähnliche Symptome, oft Nerven-, Muskelbeschwerden, Lähmungen z.B. im Gesicht, Herzbeschwerden, Wahrnehmungsstörungen etc. Sonderfall Neuroborreliose bei Befall des zentralen Nervensystems)

nach Monaten bis Jahren chronische Borreliose, viele verschiedenen Formen

"Sommergrippe" klingt ab, bei ca. 70 % wenige Tage später zweiter Fieberhöhpunkt mit Gehirn- und Hirnhautbeteiligung (starke Kopfschmerzen, Erbrechen und andere Symptome)

Behandlung

im Frühstadium gut mit Antibiotika behandelbar; in späteren Stadien ebenfalls Antibiotikatherapie, aber Behandlungserfolg fraglich

nur symptomatische Behandlung möglich

(Linderung der Symptome (z.B. Fieber- und Schmerzmittel)

Prognose

bei 90 % sehr gute Heilungschancen,

besonders bei früher Therapie mit Anitbiotika, aber auch später,

nicht behandelbare, chronische Fälle selten

über 70 % vollständige Ausheilung,

10 - 30 % bleibende neuroloigsche Schäden

(bis zur Invalidität bei

ca. 3 %)

Sterblichkeit

äusserst selten

1 - 2 %

Schutzmaßnahmen

Vermeidung von Zeckenstichen

(keine Impfung verfügbar) 

FSME-Impfung
Vermeidung von Zeckenstichen

(Stichprophylaxe)

 

 

 

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